Entstehungsgeschichte

 

 

Siedler in baum- und strauchloser Landschaft

 

Ein Rückblick von Hindrik Kronemeyer

 

In der baum- und strauchlosen Hochmoorlandschaft ließen sich die Siedler im Jahr 1725/26 nieder. Zu diesem Zeitpunkt gehörten die Moorflächen noch zu der Gemeinde Alte Piccardie.

Die Siedler wollten sich eine Existenz verschaffen. Weil es im Hochmoor keine Entwässerungsmöglichkeiten gab, war die Kultivierung sehr schwer – es mußte alles mit Spaten, Schaufel und Schubkarre erledigt werden.

Um das Moor gehbar zu machen, war eine primitive Entwässerung der Oberfläche unausweichlich. Diese Arbeiten bedeuteten Schwerarbeit, wenn sie zu einem Erfolg führen sollten.

Die Ansiedlung nahm langsam zu, so daß im Jahre 1775 der Gründung einer selbständigen Gemeinde mit dem Namen »Neue Piccardie« nichts mehr im Wege stand.

Die Gemeindegröße betrug 1921 Hektar und die Einwohnerzahl etwa 200. Nach Erlangen der Selbständigkeit der Gemeinde strebten die Bürger nach besseren Lebensverhältnissen. Im Anfang der Ansiedlung mußten sie sich mit Unterkünften aus Moorsoden zufrieden geben; die Anbaufrucht war fast ausschließlich Buchweizen.

Das Buchweizenkorn wurde damals in die Asche der abgebrannten Moorflächen ( Brandkultur ) gesät. Der Buchweizen ist so empfindlich, daß er im Mai / Juni durch einen Nachtfrost vollständig vernichtet werden kann und eine Nachsaat nicht mehr zum Ertrag führt. Durch die lange Brandkultur war der Boden ertragsmüde geworden. Wegen schlechter bzw. unpassierbarer Hochmoorwege wurde nach anderen Transportmöglichkeiten gesucht, um Kunstdünger geliefert zu bekommen.

Die Einwohner der Gemeinde »Neue Piccardie« gehörten fast ausschließlich der ev. ref. Kirchengemeinde Veldhausen an. Sie mußten lange Wege zu Fuß zurücklegen, um an einem Gottesdienst teilzunehmen.

Der Kolonist Jan Jacobs, vom Westende, lebte in der Zeit vom 13.10.1826 bis 21.5.1886. Er war Vorsteher der politischen Gemeinde in den sechziger bis achtziger Jahren. In den sechziger Jahren hatte er die Gelegenheit, König Georg V. von Hannover bei einem Besuch in Neuenhaus zu begrüßen. Bei dieser Gelegenheit bat er den König um eine Mitfinanzierung des Kirchenbaus in »Neuen Piccardie«.

König Georg V. von Hannover entsprach der herzlichen Bitte; der Kirchenbau konnte in den Jahren 1866/67 verwirklicht werden.

Als dann das Land Hannover zu Preußen kam und ein Landtag gewählt werden mußte, wurde Vorsteher Jan Jacobs Abgeordneter im Preußischen Landtag in Berlin. Er hat mit seinen Kollegen aus dem emsländischen Raum den linksemsländischen Kanalbau in einer Länge von ca. 112 km erwirken und wesentlich mitgestalten können. Diese Kanäle ( »Süd-Nord-Kanal« Nordhorn – Georgsdorf - Twist - Meppen - Haaren und »Coevorden-Piccardie-Kanal« Georgsdorf - Emlichheim – Coevorden ) wurden fast ausschließlich in Handarbeit erstellt. Die Bauzeit dauerte von Anfang der siebziger Jahre bis 1893/94. Zwischenzeitlich hatte die Gemeinde »Neue Piccardie« den Namen »Georgsdorf« als Dank für die Finanzierung des Kirchenbaues durch König Georg angenommen. Jan Jacobs durfte die Fertigstellung der Kanäle nicht mehr miterleben.

Der Kanalbau war ein gewaltiger Einschnitt in die Hochmoorlandschaft und ein erheblicher Fortschritt für die Bewirtschaftung der Flächen, nicht zuletzt im Hinblick auf die Entwässerung und auf die Schiffahrt für die Bezugs- und Absatzmöglichkeiten von Materialien und Ernteerzeugnissen sowie für die Schwarztorfgewinnung als Brennstoff und Weißtorf als Gartendünger. Von der gesamten Kanalstrecke von 112 km führen ca. 10 km durch Georgsdorf. Mit dem Bau der Kanäle wurden beiderseitig Sandwege angelegt und Anpflanzungen vorgenommen.

Zwischenzeitlich hatten sich 12 Kolonisten zusammengeschlossen, um den Neubau einer Windmühle zu finanzieren. Der Bauantrag »Kornwindmühle Georgsdorf« wurde den Gemeindemitgliedern in der Sitzung am 12. Februar 1875 - geleitet von Vorsteher Jacobs - zur Genehmigung vorgelegt und einstimmig gutgeheißen. Somit begann die Baumaßnahme im Jahre 1875.

Außerhalb der Kanalwegeflächen wurden Bermegräben ( Wegeseitengräben ) zum Auffangen des Oberflächenwassers und des Sickerwassers aus den Kanälen sowie für das Einleiten von Wasser aus den angrenzenden Flächen geschaffen. Für das überqueren der Kanäle bei wichtigen Gemeindewegen wurden Drehbrücken angelegt, die eine Traglast von nur drei Tonnen hatten und mit 5 km Geschwindigkeit / Stunde benutzt werden durften.

Für die Bedienung der Drehbrücken waren von der Linksemsischen Kanalgenossenschaft Brückenwärter bestellt. Diese wohnten fast ausschließlich in genossenschaftseigenen Wohnungen. Es war verboten, die Bedienung von anderen Personen vornehmen zu lassen.

Die Schiffer, die eine Durchfahrt begehrten, mußten einen Zins an Brückenwärter zahlen. Vorher machten sie sich rechtzeitig durch Blasen eines Horns bemerkbar. Die Brücken- Dreharbeit wurde im wesentlichen von den Ehefrauen der Brückenwärter getätigt.

Die Schiffe wurden anfangs von Personen und Pferden gezogen. Für diese Möglichkeiten gab es längs der Kanäle Treidelpfade.

Später fuhren auch Motorschiffe auf den Kanälen. Schiffsanlegeplätze für das Ent- und Beladen wurden errichtet, einer war der Platz im Hafen von Georgsdorf ( Ortsmitte, heutige Kreisstraßenkreuzung K 4/19/31 ). Hier wurden im wesentlichen Kunstdünger für die Landwirte aus dem Schiff mit einem Hand betriebenen Kran direkt auf den von Pferden gezogenen Ackerwagen verladen.

Der Kanalbau und die damit verbundenen sonstigen Verbesserungen wäre ein erheblicher Fortschritt für die Gemeinde, somit auch für die ganze Region

In der Niederschrift der Gemeindeversammlung vom 4. April 1885 ( unter Leitung des Vorstehers Jan Jacobs ) wird erstmalig über den Straßenbau von Veldhausen über Alte Piccardie nach Georgsdorf oder von Veldhausen über Osterwald nach Georgsdorf berichtet und beraten. In einer Sitzungsniederschrift – geleitet von Vorsteher J.H. Mohs - der stimmberechtigten Gemeindeglieder vom 28.6.1892 wird über die unentgeltliche schuld- und lastenfreie Abtretung von Grund und Boden an den Kreiswegeverband beraten und einstimmig beschlossen.

Über den Straßenbau bei der Kirche und Schule in einer Länge von 267 Metern ( von der Kanalbrücke Kösters bis zur Brücke Wieking ) wird erstmalig in einer Gemeindeversammlung vom 30. 12. 1911 ( geleitet von Vorsteher H. Kronemeyer ) beraten und einstimmig beschlossen, einen Antrag auf Ausbau der Kreisstraße von Georgsdorf bis zur Kreisgrenze in Adorf ( einschließlich der 267 Meter ) beim Kreisausschuß in Bentheim zu stellen. Sollte diese Maßnahme nicht zum Tragen kommen, soll über die Befestigung der 267 Meter bei der Schule und der Kirche in der nächsten Gemeindeversammlung neu beraten werden. Diese Beratung fand am 14.2.1912 statt. Es wurde jedoch nur der Ausbau der 267 Meter beschlossen. Es wurde weiter beschlossen, für die Befestigung holländische Klinker zu verwenden. Der von Wegemeister Blume aus Neuenhaus angefertigte Kostenanschlag fand in allen Teilen Zustimmung. Dieser Kostenanschlag sah Beihilfen des Landkreises, Provinzialmittel und Eigenleistungen der Gemeinde vor. Soweit die Eigenleistungen der Gemeinde nicht durch freiwillige Beiträge gedeckt werden konnten, sollte ein Darlehen bei der Sparkasse in Neuenhaus aufgenommen werden. Die Maßnahme ist dann zum Tragen gekommen.

Am 7.5.1902 berichtete der Gemeindevorsteher H. Kronemeyer den erschienenen 48 ( von 52 stimmberechtigten mit 112 Stimmen ) Mitgliedern über die Verfügung des Landrats, es solle eine Pflicht- Feuerwehr gebildet und eine Spritze angeschafft werden. Die Beratung ergab, daß die Bebauung der Gemeinde Georgsdorf viel zu weit ausgedehnt für eine Feuerwehr sei. Die freiwillige Hilfsbereitschaft in Nähe eines Brandes könne durch eine Pflicht- Feuerwehr in Mitleidenschaft gezogen werden. In gleicher Angelegenheit wurde in der Gemeindeversammlung vom 3.8.1904 nochmals beraten und beschlossen, mit gleicher Gründung abzulehnen.

Im Anfang des Bestehens der Gemeinde wurde fast ausschließlich Weiß- und Schwarztorf als Heiz- bzw. Brennmaterial verwendet. Der Torf wurde mit einem Spaten im Frühjahr gegraben, nachdem der Winter und die Nachtfröste aufgehört hatten. Der Torf wurde für den Eigenbedarf und den Verkauf gewonnen. Es war Schwerarbeit, die fast nur von Männern geleistet werden konnte. Frauen konnten mithelfen, indem sie den gestochenen Torf mit der Gabel auf eine Schiebkarre packten und bis zu 20 Meter wegkarrten.

Nach einer gewissen Trockenzeit wurde der Torf in Reihen aufgesetzt und später noch ein- bzw. zweimal umgeschichtet. Im Herbst mußte er in einem Schuppen gelagert oder fachmännisch übereinander gestapelt werden. Der getrocknete Weißtorf wurde vielfach als Streugut für Viehställe verwendet.

Die industrielle Torfgewinnung begann in den Jahren 1925/26. Später - nach dem Zweiten Weltkrieg - hat Gas und Heizöl die Verwendung von Torf als Brennmaterial verdrängt.

Als nach dem Zweiten Weltkrieg der Transport von der Schiene und dem Wasser mehr auf die Straßen verlegt wurde, kam die Schiffahrt auf den Binnenkanälen zum Erliegen.

Mit Einführung des Reichsarbeitsdienstes in den dreißiger Jahren kamen auch Arbeitsdienstler nach Georgsdorf. Zwei Dienstlager aus Holzfertigteilen wurden erstellt, eins auf der jetzigen Hofstelle Woltering und das zweite Lager im gewerblichen Gebiet ( Fa. Berens & Lucas und Fa. Wigger ). Entsprechende Unterkünfte für Vorgesetzte wurden ebenfalls gebaut. Der Reichsarbeitsdienst am Ort und in den Nachbargemeinden hatte den Auftrag, Wegeverbesserungen und Kultivierungen im Moor vorzunehmen. Dies war aber nicht von langer Dauer. Die Lager wurden nach ca. drei Jahren wieder abgezogen und die Unterkünfte innerhalb von vierzehn Tagen abgebrochen, verladen und abtransportiert. Einige Wegebaumaßnahmen waren begonnen; diese wurden anschließend von Straf- und Kriegsgefangenen zum Teil weitergeführt.

Als der Zweite Weltkrieg beendet war und über 30 Georgsdorfer Ehemänner/Väter/Söhne nicht zurückkehrten, blieb auch die Gemeinde von der Aufnahme von Vertriebenen und Flüchtlingen aus dem Osten Deutschlands nicht verschont. Die Zahl der Vertriebenen und Flüchtlinge betrug ca. 200. Sie wurden in der Gemeinde behelfsmäßig untergebracht. Einige haben in Georgsdorf ihre zweite Heimat gefunden.

Im Jahre 1927/28 wurden die ersten Häuser an das Stromnetz angeschlossen. Lange nicht alle Familien waren zu dem Zeitpunkt finanziell dazu in der Lage. Sie mußten weiterhin mit dem Petroleumlicht oder mit Spirituslampen auskommen.

Nach den schlechten Nachkriegsjahren trat mit der Währungsreform am 20.6.1948 eine langsame Verbesserung der Lebenslage ein. Mit dem Beginn des Emslandplanes und des Grünen Planes 1951/52 begann für unsere Region der Fortschritt.

Für die Gemeinde Georgsdorf war dies von großer Bedeutung. Viele Baumaßnahmen konnten aufgrund der günstigen Finanzierung im kommunalen und privaten Bereich eingeleitet werden. ""u

1952/53 begann der Ausbau bzw. die Erweiterung des Stromnetzes. In einigen Jahren waren fast alle Häuser angeschlossen.

Als die Erdölgewinnung in den Nachbargemeinden Osterwald und Alte Piccardie 1943 begann, bauten die Firmen ein eigenes Wasserwerk in Osterwald, das für den Eigenbedarf sorgte. Ein staatseigenes Wasserwerk war in Füchtenfeld mit der Errichtung des Straf- und Kriegsgefangenenlagers erstellt worden. Im Jahre 1952 wurde der Wasserbeschaffungsverband Neuenhaus und Umgebung gegründet, in dem die umliegenden Gemeinden Mitglied werden konnten. Georgsdorf wollte man zu dem Zeitpunkt nicht als Mitglied aufnehmen, weil die Gemeinde zu weit von Neuenhaus entfernt lag und somit die Versorgung zu unrentabel erschien. Die Verantwortlichen vertrösteten Georgsdorf auf einen späteren Zeitpunkt. Damit gaben sich die Georgsdorfer jedoch nicht zufrieden. Sie ergriffen die Initiative und versuchten, ein eigenes Trinkwasserversorgungsnetz genehmigt zu bekommen. - Das sah vor, Trinkwasser vom staatlichem Wasserwerk in Füchtenfeld zu beziehen. Dieses Vorhaben gelang, und mit der Baumaßnahme wurde im Jahre 1954/55 begonnen. Das erste Leitungsstück vom Wasserwerk Füchtenfeld über Wulverdiek und Ostende bis zur Ortsmitte Georgsdorf war finanziell mit Emslandmitteln abgesichert. Es konnte im Jahre 1955/56 fertiggestellt werden. Weil im selben Zeitraum die Straßenbaumaßnahme ( Erdarbeiten ) Auskofferung bis zu drei Meter Moorauflage in voller Wegebreite von A. Lefers bis Jan Raterink lief, überschnitten sich die Maßnahmen. Der Wasserleitungs- Rohrgraben mußte vier bis fünf Meter tief hergestellt werden, um für die spätere Wegehöhe genügend Abdeckung für das Rohr zu behalten. Die Erdarbeiten für den Straßenbau wurden zum Teil per Hand ( Notstandsarbeiten ) durchgeführt. Die Moormassen wurden in Loren geladen, über Kleingleise abtransportiert und der Einbausand in gleicher Weise herangeholt und eingebaut. Weil die Wegebreite für den Straßenbau nicht ausreichte und die Wegeführung nach Süden um einige Meter verlegt werden mußte, damit die anliegende Gehöfte bessere Auffahrt erhielten, waren Grundstücksvertragsabschlüsse mit allen Anliegern unausweichlich.

Sogar das alte Haus von Albert Vrielink stand im Wege. Es war wohl manchmal so, daß die Finanzierung der Baumaßnahmen besser vorankam als die Schlüsse der Grundstücksverträge. Diese nahmen Zeit in Anspruch, weil die Eigentumsverhältnisse bei vermeintlichen Eigentümern oft im argen lagen.

Die Baumaßnahmen ( Straße und Wasserleitung Ostende ) waren nicht ganz abgeschlossen, da lag die Zustimmung der Finanzierung für den zweiten Bauabschnitt ( Trinkwasserversorgung Ortsmitte, Westende, Schulstraße und Fürstliches Moor ) 1956/57 vor. Ungefähr bis zu diesem Zeitpunkt waren nur sehr geringe Eigenleistungen der Gemeinde zu erbringen. Die Anlieger und Anschlußnehmer in Reichweite der Hauptleitung mußten unentgeltlich die Erdarbeiten für die Anschlüsse übernehmen. Beim späteren Weiterausbau des Wasserleitungsnetzes mußten die Anlieger zusätzlich einen Geldbeitrag leisten. Sie stimmten einem freiwilligen Ausgleich mit den bisher Angeschlossenen ( etwa 80 an der Anzahl ) mit je 100, - DM zu. Somit war das Unangenehme friedlich bereinigt.

Auch die Gemeinde Georgsdorf mußte bei späteren Maßnahmen tiefer in den Gemeindesäckel greifen. Das brachte die ersten Finanzsorgen für den Gemeinderat mit sich, denn das Haushaltsvolumen war zu diesem Zeitpunkt noch sehr gering. Im Jahre 1957 standen der Neubau einer Hauptlehrerwohnung und der Umbau der alten Lehrerwohnung an. Das neue Feuerwehrgerätehaus folgte 1958. Die ersten Siedlungshäuser am Neuen Diek standen im Bau, und die Zuwegung mußte durch Herstellung eines Sanddammes verbessert werden. Auch die anderen Bürger hatten Verbesserungswünsche. Wenn eine Gemeindeversammlung in der Schule angesetzt war, brauchte der Gemeinderat keine Sorge zu haben, daß diese nicht gut besucht würde. Der Klassenraum war manchmal so überfüllt, daß im Winter ein Beheizen des Raumes nicht erforderlich wurde. Manche Bürger hatten das elektrische Licht noch nicht, das gute Trinkwasser fehlte, und Zufahrten mußten ebenfalls verbessert werden. Die Maßnahmen liefen dann im ganzen Bereich der Gemeinde in den darauf folgenden Jahren.

In den Jahren 1958/59 wurde Ausschau nach einem Schulgrundstück gehalten. Zwischenzeitlich hatten die Schulverbandsgemeinden Georgsdorf, Osterwald und Alte Piccardie untereinander Schulbeitragsschwierigkeiten. Osterwald und Alte Piccardie erwirkten die Aullösung des Schulverbandes. Auch um den neuen Standort des künftigem Schulgebäudes gab es lebhafte Diskussionen. Als dann der richtige Weg gefunden war und die Gemüter sich beruhigt hatten, gingen alle wieder freudig an die Arbeit. Ein Architektenwettbewerb fand statt - die Schulbauweise wurde nach Besichtigung mehrerer Schulen in der Grafschaft und in Venne bei Osnabrück festgelegt. Die Bauweise der Schule Venne wurde vom Gemeinderat übernommen.

Die Betonstraßen Ostende, von Jan Raterink bis Kösters, und Westende, von Schnieders bis Ende, waren zwischenzeitlich fertiggestellt. Somit hatte Georgsdorf- Ost eine feste Zuwegung nach Füchtenfeld und Georgsdorf- West eine in Richtung Emlichheim.

Nun stand die Planung in Richtung Adorf an. Dies war schon von der Baumöglichkeit schwieriger; auch wenn die Drehbrücken Kösters und Wieking bereits für den schweren Verkehr leicht verstärkt worden waren, mußten sie immer noch für die Schiffahrt drehbar bleiben. Die Planung ging zu dem Zeitpunkt dahin, eine Hochbrücke über den Süd-Nord-Kanal, östlich von der alten Schule ( Junge ) und auf der anderen Seite des Kanals zwischen Hager und Köster zu errichten. Eine ideale Lösung war es mit Sicherheit nicht. Es wurden bereits Grundstücksabsprachen getroffen. Dann kamen die Bestrebungen in Gang, den Wasserspiegel in den Kanälen abzusenken und die Schiffahrt einzustellen. Dies nahm einige Jahre in Anspruch, denn die Pläne mußten international mit vielen Behörden abgestimmt werden.

Nachdem alle Zustimmungen durch das Wasserwirtschaftsamt und die Linksemsischen Kanalgenossenschaft Meppen eingeholt waren, konnten der Brückenbau über den Hafen und der Straßenbau in Richtung Adorf in Gang gesetzt werden. Das war im Jahre 1968/69/70. Weil die Gemeinde - aus Sicherheitsgründen - nicht bereit war, die beiden Drehbrücken Kösters und Wieking in der Unterhaltung zu übernehmen, wurden diese abgebrochen.

Mir der Weiterentwicklung der Gemeinden, mußten auch die öffentlichen Einrichtungen wie Schule, Feuerwehrgerätehaus, Lehrerwohnungen, sportliche Anlagen und deren Unterhaltung verbessert werden. Mit dem Neubau der Schule einschließlich einer Kleinturnhalle im Jahre 1960/61 beschloß der Gemeinderat, den Wohnungsbau in der Gemeinde Georgsdorf durch die Ausweisung von zusätzlichen Bauflächen in Bebauungsplänen zu ermöglichen.

Weil die Gemeinde selbst keine Eigentumsflächen zur Verfügung hatte, wurde zwingend erforderlich, mit den betreffenden Grundeigentümern Ankauf- oder Tauschverträge abzuschließen. Von 1960 bis 1990 sind ca. 35 Hektar Bauflächen teils direkt, teils durch Tauschflächen erworben worden. Durch Aufstellung von sechs Bebauungsplänen sind ca. 350 Wohnbaumöglichkeiten ( Ein- und Zweifamilienhäuser ) entstanden. Davon sind heute ca. 2/3 bebaut.

Auch wurde ein sechs Hektar großes Gewerbegebiet ausgewiesen. Außerdem wurde eine vier Hektar große Fläche am Rande der Siedlung für sportliche Anlagen bereitgestellt. Am Rande des Dorfes, an der Adorfer Straße, wurden die Sportanlagen durch den Flächennutzungsplan der Samtgemeinde Neuenhaus ausgewiesen, weil die Samtgemeinde für die Erstellung der Flächennutzungspläne zuständig ist. Sportliche Anlagen stehen alle in der Unterhaltung der Gemeinde Georgsdorf. Mit der Bebauung in den Jahren 1960/61 trat auch das Problem der Abwasserbeseitigung auf. 1964 wurde erstmalig ein Vierkammersystem am Neuen Diek errichtet. Im Jahre 1972 wurde eine neue biologische Kläranlage südlich vom Bebauungsgebiet erstellt. Mit Gründung der Samtgemeinde Neuenhaus 1973/74 ging die Zuständigkeit für die Abwasserbeseitigung auf die Samtgemeinde über. Diese hat die Anlage nach etlichen Jahren stillgelegt und eine Druckleitung nach Veldhausen beziehungsweise nach Neuenhaus verlegt. Das Schmutzwasser wird heute zur Kläranlage Neuenhaus gepumpt.

1979 wurde ein Dorferneuerungsplan erarbeitet, der erst 1983 als Modellvorhaben des Landes Niedersachsen zum Tragen kommen konnte. In diesem Plan war vorgesehen: Ausbau der Radwege West- und Ostende in einer Gesamtlänge von 3,5 km, drei Fußgängerbrücken, Restaurierung der Windmühle, überdachte Buswartehalle in der Ortsmitte, Anpflanzungen, Fußgängerwege, Verkehrsverbesserung, Schlammfangüber-brückung, Straßenbeleuchtungsanlage in der Ortsmitte sowie Straßen- und Bürgersteigverbesserung und die Instandsetzung privater alter Bausubstanz. Kostenvolumen ca. 2 Millionen Mark. Alle Maßnahmen kamen zur Ausführung, auch im privaten Bereich. Die Gesamtkosten wurden finanziert mit Landes- und Kreismitteln sowie mit Eigenleistungen der Gemeinde Georgsdorf und privaten Eigenleistungen.

Im Jahre 1972/73 wurde im Wiekingschen Hause an der Jan-Jacobs-Straße ein Kinderspielkreis mit zwei Gruppen eingerichtet. Träger ist die ev. ref. Kirchengemeinde Georgsdorf. Kostenträger sind: Land Niedersachsen, Landkreis Grafschaft Bentheim, Gemeinde Georgsdorf und die Kirchengemeinde.

Mit der Gründung der Samtgemeinde Neuenhaus gingen etliche Zuständigkeiten der Mitgliedsgemeinden an die Samtgemeinde über, wie Schule, Feuerwehr, Abwasserbeseitigung, Flächennutzungsplan und sonstige Verwaltungsarbeiten.

Das Trinkwasserversorgungsnetz der Gemeinde Georgsdorf trat die Gemeinde mit Gründung der Samtgemeinde an den Wasserbeschaffungsverband Niedergrafschaft ab.

Bei Beginn des Emslandplanes hatte die Gemeinde Georgsdorf 1 km feste Wege. Im Jahre 1990 waren es etwa 40 Km.

Die Einwohnerzahl betrug am 17.5. 1939 635. Sie lag in 1989 ( Stichtag: 31.12.1989) bei 1141 Einwohner. Bei der Volkszählung Juni 1933 waren es 713.

 

Am 23.12.1999 hatte die Gemeinde Georgsdorf 1279 Einwohner.

 

Gemeindevorsteher waren:

 

Februar 1875

bis

Januar 1886:

Jan Jacobs, Westende,

Juli 1886

bis

März 1891:

Albert Lefers, Ostende,

Januar 1892

bis

April 1901:

Jan Hindrik Mohs, Ostende,

August 1901

bis

Juni 1924:

Hindrik Kronemeyer, Ostende,

Juli 1924

bis

April 1933:

Gert Hindrik Leupen, Ostende,

Mai 1933

bis

April 1945:

Geert Röttgers, Westende

( Gemeindeschulze bzw. Bürgermeister )

Mai 1933

bis

Oktober 1935

November 1935

bis

April 1945

Mai 1945

bis

Dezember 1950:

Gert Hindrik Leupen, Ostende,

Januar 1951

bis

November 1952:

Jan Röttgers sen., Ostende,

Dezember 1952

bis

Oktober 1989:

Hindrik Kronemeyer, Koelhok,

November 1989

bis

 

Jan Röttgers jun., Ostende,

 

bis

heute:

Johanna Knorr